Sonntag, 15. März 2026 - 13:00
52. Politischer SonntagSpaziergang: 100 Jahre Fürstenenteignung
52. Politischer SonntagSpaziergang
"100 Jahre Fürstenenteignung"
- am Sonntag, 15. März 2026,
- um 13:00 Uhr (.. 15:00 Uhr)
- Treffpunkt ab 12:45 Uhr
auf dem WalterMöller-Platz, 60439 Frankfurt am Main (Nordwestzentrum)
(U-Bahn U1+U9, "F-Nordwestzentrum"). - Diskussionsbeiträge der TeilnehmerInnen zu aktuellen Themata sind ausdrücklich erwünscht.
- Impuls und Debatte
- Herzliche Einladung, Teilnahme frei!
- Öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltung
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1926: Volksbegehren zur Fürstenenteignung -
Heute: Vonovia & Co. enteignen!- 1926: Ein Volksbegehren fordert die entschädigungslose Enteignung der früheren deutschen Fürsten und erreicht eine Zustimmung, die dreimal so hoch ist wie die geforderte Quote. Der folgende Volksentscheid scheitert nach einer wilden Propagandaschlacht seitens der bürgerlichen Rechten. In Hessen stimmen 40 Prozent der Wahlberechtigten dafür.
- 2026: Der Landgraf von Hessen will dem Land Hessen einen Teil "seines" Besitzes schenken. Was ist davon zu halten?
- Volksbegehren und Volksentscheid sind Instrumente der direkten Demokratie, die nur in den Landesverfassungen vorgesehen sind, nicht aber im Grundgesetz. Warum nicht? Könnten sie helfen, um z.B. die Forderung "Vonovia & Co. enteignen!" bundesweit durchzusetzen?
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100 Jahre Fürstenenteignung
Im Streit um die Fürstenenteignung in der Weimarer Republik ging es um die Frage, was mit dem bisher nur beschlagnahmten Vermögen der deutschen Fürstenhäuser geschehen solle, die im Zuge der Novemberrevolution von 1918 politisch entmachtet worden waren. Diese Auseinandersetzungen begannen bereits in den Revolutionsmonaten. Sie dauerten in den Folgejahren an und gewannen durch Gerichtsverfahren zwischen einzelnen Fürstenhäusern und den jeweiligen Ländern des Deutschen Reiches an Intensität, da die Gerichte die Schadensersatzforderungen der Fürsten bestätigten. Höhepunkte des Konflikts waren das erfolgreiche Volksbegehren im März 1926 und der gescheiterte Volksentscheid zur entschädigungslosen Enteignung am 20. Juni 1926.
Das Volksbegehren war von der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) initiiert worden. Zögerlich schloss sich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) an. Nicht nur Wähler der KPD und der SPD befürworteten die entschädigungslose Enteignung. Auch viele Anhänger der Deutschen Zentrumspartei (Zentrum) und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bejahten sie. In bestimmten Regionen Deutschlands unterstützten auch Wähler konservativ-nationaler Parteien diese Gesetzesinitiative. Man versprach sich von ihr die Verteilung von Grund und Boden an Bauern, Wohnraum, Unterstützung für Kriegsversehrte und andere soziale Maßnahmen.
Adelsverbände, die Kirchen der zwei großen Konfessionen, großagrarische und industrielle Interessenverbände sowie die Parteien und Verbände des politisch rechten Lagers traten für die Fürsten ein. Sie trugen durch Boykottaufrufe schließlich zum Misserfolg des Volksentscheids bei.
An die Stelle der entschädigungslosen Enteignung traten individuelle Abfindungsverträge. Sie regelten die Verteilung der Vermögensmassen zwischen den jeweiligen Ländern und den ehemals herrschenden Fürstenhäusern.
Gelegentlich gilt die Kampagne für die kompensationslose Enteignung als positives Beispiel direkter Demokratie.
<100 Jahre Fürstenenteignung>


